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A100 - Mehr als nur Verkehrspolitik

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Es geht längst nicht mehr nur um eine Autobahn. Der Protest gegen den Weiterbau der A100 ist ein Symbol für eine viel grundlegendere Auseinandersetzung: Um welche Zukunft kämpfen wir – und für wen wird sie gestaltet?

Wollen wir in einer Stadt leben, die weiter von teuren Betonschneisen durchzogen wird, während der Wohnraum zunehmend Großkonzernen gehört und die Mieten weiter explodieren? In einer Stadt, in der Subkultur, Clubs und Freiräume einem seelenlosen Investoren-Urbanismus weichen müssen – bis am Ende zwar noch Büroflächen entstehen, aber kaum noch Orte für echte Begegnung oder ein Leben jenseits der Verwertungslogik?

Der Weiterbau der A100 basiert auf einem Plan aus den 1960er Jahren – daran wird festgehalten. Als gäbe es keine Klimakatastrophe, keine Energiekrise, keine sich zuspitzende soziale Ungleichheit. Als hätte es keine Pandemie gegeben, deren langfristige Folgen auf unsere Gesundheit und unser Zusammenleben noch immer verdrängt werden.

Dabei liegen die Herausforderungen offen vor uns: Zunehmende Hitzesommer bedrohen die Ernten. Die Preise für frische Lebensmittel steigen bereits und werden als Folge des Dürresommers noch weiter steigen. Gleichzeitig leben wir mit den körperlichen und psychischen Langzeitfolgen von mehrfachen Coronainfektionen. Ein überlastetes Gesundheitssystem, soziale Erschöpfung, wachsende Gereiztheit – all das kommt nicht überraschend - und ist längst Realität.

Und was tut die Politik? Sie spart – bei Kultur, bei Sozialem, bei allem, was unser Zusammenleben menschlich macht. Währenddessen wird von uns erwartet, länger und härter zu arbeiten. Der zynische Appell zur „Höchstleistung“ inmitten einer von Krisen zerrissenen Gesellschaft ist blanker Hohn. Oder wie Tadzio Müller es nannte: schambefreite Arschlochhaftigkeit.

Der Kampf gegen die A100 ist deshalb auch ein Verteilungskampf: Wofür wollen wir unsere schwindenden Ressourcen einsetzen? Für eine Betontrasse, die nur ein paar Autofahrenden nützt und die Stadt weiter zerstückelt – oder für nachhaltige Mobilität, soziale Infrastruktur und kulturelle Freiräume, die allen zugutekommen?

Doch während sich viele für ein solidarisches, ökologisches und lebenswertes Berlin einsetzen, versuchen andere, genau das zu verhindern. Seit Ende 2024 häufen sich in Berlin – besonders in Friedrichshain – rechte und rechtsextreme Aufmärsche. Organisiert aus alten Querfrontstrukturen, die sich aus AfD, Querdenken und radikalisierten Einzelpersonen zusammensetzen, bieten sie ein Teilnahmeangebot für rechte Jugendgruppen, die dieses dankbar annehmen. Sie beanspruchen die Straße – und mit ihr den Raum, das Bild und die Deutungshoheit über das Leben in der Stadt.

Diese rechte Raumnahme bleibt nicht folgenlos. Seit Monaten nimmt rechte Gewalt massiv zu. Ziele sind alles und alle, die nicht ins rechte Weltbild passen: linke Zentren, queere Menschen, migrantische Communities. Was hier passiert, ist kein Randphänomen, sondern ein Angriff auf die offene Gesellschaft.

Der Rechtsruck betrifft uns ALLE – unsere Freundinnen, Familien, Nachbarinnen, unsere Communities und Lebensrealitäten. Und deshalb liegt es auch an uns allen, ihn zurückdrängen! Politisches Desinteresse schützt nicht. Wegsehen hilft nicht. 

Die Verteidigung demokratischer, solidarischer Räume beginnt bei uns.

Es gibt viele Möglichkeiten, aktiv zu werden. „Deutsche Wohnen & Co enteignen“ ist eine davon. Der Widerstand gegen den Zaun um den Görlitzer Park, eine andere. Wir brauchen mehr als Symbolpolitik. Und wir brauchen kollektiven Mut – auf der Straße, in Nachbarschaften, in öffentlichen Räumen.

Stellen wir uns den Faschist*innen entgegen – bei Demos, durch zivilen Ungehorsam und in solidarischem Alltagshandeln. Bauen wir Communities, in denen wir füreinander da sind, in denen Schutz und Zugehörigkeit nicht verhandelt werden müssen. Gerade jetzt – wo die Zeiten härter werden.

Es ist Zeit, dem Rechtsruck entschlossen zu begegnen. In Wort und Tat.

Alle zusammen – gegen den Faschismus. 

Alle zusammen – gegen die A100. 

Alle zusammen – gegen die Deutsche Wohnen. 

Alle zusammen – Für eine lebenswerte und solidarische Gesellschaft!